Schaun wir doch zurück - in die guate alte Zeit. Wo Ritterlichkeit noch was gegolten hat. Sittsamkeit. Jungfräulichkeit. Wo man noch an Gott und den Teufel geglaubt hat. Wo das Alter noch was wert war. - Und wo Musik noch Musik war:
"Der Teufel kam hinauf zu Gott
und brachte ihm sein Grammophon
und sprach zu ihm, nicht ohne Spott:
"Hier bring ich dir der Sphären Ton."
(Ausschnitt aus einem Gedicht von Christian Morgenstern - für das ganze Gedicht HIER klicken)
Immerhin hat es diese Erfindung möglich gemacht, dass es noch Tondokumente gibt, wie zum Beispiel von unserem Kaiser Franz Joseph.
Die Kaiserzeit und das Essen - mehr hat der echte Wiener nicht gebraucht - wie zum Beispiel Ernst Klein in seinem Gedicht, wo er beim Genuss von an "baafleisch" an den "graunprinz rudoif und an meialing" denkt und "oeweu so melancholisch" wird.
(Rede von Kaiser Franz Joseph 1915 - HIER klicken)
In der Romanserie "Die Naschmarktmorde" von Gerhard Loibelsberger kann man den Hang zur Völlerei nachempfinden.
Wien 1903. Auf dem nächtlichen Naschmarkt wird eine junge Gräfin brutal ermordet. Und während sich Joseph Maria Nechyba, Inspector des kaiserlich-königlichen Polizeiagenteninstituts, lieber seinem leiblichen Wohlbefinden als den Ermittlungen widmet, geschieht ein weiterer Mord... und der Journalist Leo Goldblatt macht Druck auf die Polizei.
Zum Kaiser gehört natürlich auch die Sissi. Über die Sisi (diese Schreibweise hat sie selbst bevorzugt) gibt es zahlreiche Musik- und Filmwerke. Franz Marischka erinnert sich in seinem Buch "Immer nur lächeln" an die Vorgeschichte zu seinem Film Sissi. Sein Vater Ernst Marischka brachte 1932 das Singspiel "Sissy" am Theater an der Wien heraus - mit der blutjungen Paula Wessely. Sie konnte aber nicht singen - daher ging sie bei jedem Lied in die Tiefe der Bühne, wo schon eine Sängerin wartete und dann den Part "playback" sang.
Als Max Reinhardt die Wessely zurück an die Josefstadt holte übernahm die zweite Besetzung die Rolle. Das war eine gewisse Hedy Kiesler, die später als Hedy Lamarr weltberühmt wurde.
1955 entstand dann der Film mit Romy Schneider - bis heute ein Dauerbrenner in den heimischen Fernsehprogrammen.
Die Filme in den 20er Jahren waren meist Stummfilme, wie z.B. "Die Stadt ohne Juden" mit Hans Moser in einer ernsten Rolle.
Autor des Romans war Hugo Bettauer. In der fiktiven Geschichte von 1922 ging es um die Vorstellung, wie sich Wien entwickeln würde, wenn alle Juden auswandern müssten. Die Kaffeehäuser müssten zusperren und Biertrinkhallen Platz machen, das Kultur- und Wirtschaftsleben würde in die Inflation treiben. Bettauer zeigt auf, wie mitläuferisch und leicht manipulierbar der breite Teil der Bevölkerung ist.
Und er hatte recht. Aber die katastrophale Zukunft, die tatsächlich einige Jahre später stattgefunden hat, konnte er 1922 nicht erahnen.
Auch einige Jahre zuvor - nämlich 1916 - hat Kaiser Karl mitten im 1. Weltkrieg noch an einen glorreichen Frieden und an die Begeisterung "seiner" Soldaten geglaubt.
(Rede von Kaiser Karl HIER)
Das hat Jaroslav Hasek offenbar ganz anders gesehen und schrieb den mehrmals verfilmten Roman "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk", ein satirisches Werk gegen den Krieg und das Militär.
Wir gehen ca. 50 Jahre zurück. In der Mitte des 19. Jh. hat es natürlich auch Menschen mit kriminellem Potential gegeben.
Beppo Beyerl, ein Wiener Schriftsteller, berichtet darüber in seinem Buch „Die bösen Buben von Wien“. Neben zeitnahen Unterweltgrößen, - dem „Roten Heinzi“, „Pumpgun Ronny“ u.a, - geht es auch um einen gewissen Johann Carl Freiherr von Sothen, der 1881 – ich muss fast sagen: verständlicherweise - ermordet wurde.
Der sogenannte Freiherr war eigentlich Trafikant, und führte eine Lottokollektur.
Die Ziehung der Lottozahlen fand damals in Brünn statt, eine Pferdekutsche brachte die Zahlen nach Wien. Bis die Kutsche angekommen war, war in Wien eine Tippabgabe weiter möglich. Sothen hat das genutzt, indem er sich die Zahlen durch Brieftauben hat schicken lassen.
Nachdem er einen böhmischen Vogelhändler um 20000 Gulden betrogen hat wurde er von dessen Sohn erschossen – und das Todesdatum, nämlich der 10.6.81 stimmte mit den Lottozahlen überein, mit denen Sothen den Vogelhändler betrogen hat.
Nach Sothens Beisetzung wurde auf die Mauer einer von ihm gespendeten Kapelle gekritzelt: „Hier in dieser Gruft liegt ein großer Schuft, zeigt's kan Z'wanzger runter, sonst wird er wieder munter“.
Die Geschichte um den Lottobetrug verarbeitete Bettina Balàka im dem Roman „Die Tauben von Brünn“. - Ein empfehlenswerter Roman – anschaulich, spannend und teilweise tiefsinnig.
Wir bleiben in der Zeit um 1880. - Im damaligen „Lexikon der Sittsamkeit“ war u.a. zu lesen:
„Unter allen Mängeln, welche dem Frauenzimmer eigen sein können, ist keiner so sehr ihrer Natur und Erziehung begründet, als die Putzsucht, denn es ist jedem weiblichen Geschöpfe der lebhafte Wunsch, zu gefallen, angeboren.
Nach und nach empfindet die weibliche Liebe alle Grade eines zärtlichen Wahnsinnes, ohne dass sie das Kleinliche und Lächerliche daran bemerkt.“
In dem Kriminalroman „Jenseits der Mur“ von Gudrun Wieser geht es um Mordfälle in einem Mädchenpensionat in der Steiermark um 1880. Der Roman ist nicht nur spannend, sondern auch humorvoll, wobei sich der Humor eher hinter den Zeilen einer Sprache verbirgt, die an das Lexikon der Sittsamkeit erinnert.
Leipzig 1943 - Bomben fallen vom Nachthimmel und verwüsten eine Bibliothek, in der sich ein Junge aufhält. Er wird von einem Mann mit Gasmaske gerettet, der vorher ein bestimmtes Buch vor den Flammen in Sicherheit bringen will. Warum weiß man noch nicht.
Fast dreißig Jahre später: Ein junger Mann - Robert Steinfeld - entdeckt in einer Bibliothek etliche in dunkelrotem Leder gebundene Bände, die offenbar aus der Buchbinderwerkstatt seiner Vorfahren stammen.
"Die Bücher, der Junge und die Nacht" von Kai Meyer ist eine spannende und wunderschöne Liebeserklärung an die Welt der Bücher. - Ein Stück Zeitgeschichte vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre.
Es gibt jede Menge an historischen Romanen, - gute und schlechte – spannende und fade – kitschige und literarische - - da eine Auswahl zu treffen ist unmöglich.
Trotzdem habe ich einige Autoren und Titel zusammengestellt, die mir persönlich untergekommen sind.
Beate Maly – Romane über jüdische Lehrerin nach dem 2. Weltkrieg („Die Trümmerschule“) - Krimiserie um die pensionierte Lehrerin Ernestine und den Apotheker Anton um 1920 (1. Band: „Tod am Semmering“) – Krimis um Karikaturistin Aurelia um 1880 (1. Band: „Aurelia und die letzte Fahrt“) – Schönbrunn-Saga ab 1914 –u.v.m.
Andreas Pittler – Wiener Triptychon Familiensaga von 1900 bis heute (Bände: 1.„Wiener Kreuzweg“, 2.“Wiener Auferstehung“, 3.“Wiener Himmelfahrt“) oder Sammelband „Wiener Triptychon“) - Krimiserie um Inspektor Bronstein von 1918 bis 1945 (aktuell: Bronstein – sein vergessener Fall“) –– diverse Einzelkrimis, Romane und Sachbücher
Petra Aicher – Krimiserie um Anna Zech, Krankenschwester in der Gerichtsmedizin, und Skandalreporter Nachtwey alias Baron Friedrich von Weynand in München um 1912.
(1. Band: „Fräulein Anna - Gerichtsmedizin - Die Prinzregentenmorde“)
Anekdoten und Humorvolles aus dem alten Wien (Olaf Link u.w.) - Eine humorvolle Reise in die Stadtgeschichte von Wien, mit vielen Anekdoten, Bildern und Geschichten über die Welt vergangener Zeiten, über Wien und seine Bewohner.
Oliver Pötzsch – Krimiserie um Inspektor Leopold von Herzfeldt und Totengräber Agustin Rothmayer in Wien um 1890 (1. Band: „Das Buch des Totengräbers“) – Fantasy-Reihe Die schwarzen Musketiere um 1630 (Band 1: „Das Buch der Nacht“) – Mehrteilige Saga um eine Henkerstochter nach 1650 – [Pötzsch ist selbst Nachfahre einer Henkerdynastie!]
Petra Hartlieb – Romanserie um ein Kindermädchen im Haushalt von Arthur Schnitzler von 1912 bis 1916 (1. Band: „Ein Winter in Wien“) – Als Buchhändlerin in Wien schreibt sie die Romane „Meine wundervolle Buchhandlung“ und „Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“
Bastian Zach – Krimiserie „Donaumelodien“ um Hieronymus Holstein, einem Spezialisten für Geisterfotografie (Phänomen aus den Anfängen der Fotografie) in Wien um 1870 – (Band 1: „Praterblut“) – mit Matthias Bauer „Die Morbus Dei Trilogie“ über ein Tiroler Bergdorf ab 1703. (1. Band: „Die Ankunft“)
Gudrun Wieser – Krimiserie um den Gendarm Wilhelm Koweindl und Lehrerin Ida Fichte in Graz um 1880 (1. Band: „Jenseits der Mur“) – Krimiserie um Untersuchungsrichter Franz Stahlbaum und seinen Freund Dr. Titus Pyrner in Graz 1897 (1. Band: „Geheimnisse in der Grünen Mark“)
Beppo Beyerl – Dokumentation „Die bösen Buben von Wien“ von Gaunern, Strizzis und Hallodris der letzten zweihundert Jahre. – Dokumentation „Show Down-Schüsse, Küsse und Duelle“ – Krimireihe über Oberinspektor Mitschek um 1930 in Wien (1. Band: „Mord im Lainzer Tiergarten“)
Harald Havas – Dokumentation über die 70er Jahre „Der Tag, an dem Tintifax grün wurde“ – Dokumentation über den Wiener Alltag um 1980 „Kottan, Kreisky und kein Kabelfernsehen“ – Verschiedene unterhaltsame Dokumentationen über Wien (z.B: „Kurioses Wien“ u.a.)
Hugo Bettauer - (1872-1925) Zahlreiche Krimis und Romane – meist aus Wien um 1920 – Die bekanntesten: „Die Stadt ohne Juden“ und „Die freudlose Gasse“ (Kuppler, erbarmungslose Geschäftemacher und Spekulanten, Prostitution und Lumpenproletariat in Wien 1921)
Spannung pur beschert uns Alex Beer mit ihrer Krimiserie „Unter Wölfen“.
Isaak Rubinstein muss die Rolle seines Lebens spielen. Er hat die Identität eines mittlerweile verstorbenen Nazi-Kriminalinspektors angenommen und versucht an brisante Unterlagen aus der Rüstungsindustrie zu kommen. Dabei muss er sich in höchsten Kreisen der Nazi-Herrscher bewegen...
Das Mittelalter - Eine Zeit der Mystik, der folternden Gerichtsbarkeit (Bäckerkäfig, Eiserne Jungfrau und Streckbank), der Medizin, der Religion, des Aberglaubens, der Hexenverbrennungen, aber auch die Zeit der Heiler und Bierbrauer. Bier war damals das alltägliche Getränk, weitaus weniger "stark" als unser heutiges Bier - obwohl auch heutzutage somanche das Bier als alltägliches Grundnahrungsmittel betrachten.
Niedersachsen, im Jahre 1151. Die junge Amalia will Heilerin und Brauerin werden, und ihre Lehre bei der berühmten Hildegard von Bingen abzuschließen. - Auf dem Weg dorthin macht sie sich Bischof Bernhard von Hildesheim zum mächtigen Feind.
"Die Bierhexe", ein spannender Roman von Nick Stein.
Amalia kommt schließlich in einem Kloster unter, wo sie die Kunst des Bierbrauens und des Heilens weiterentwickelt. Aber auch dort kann sie nicht bleiben, die Macht des Bischofs ist weitreichend und der Wunsch, bei Hildegard von Bingen weiter zu lernen, treibt sie weiter.
Der Autor Nick Stein ist selbst Hobby-Bierbrauer und kennt sich auch mit Pflanzen bestens aus, was diesen hervorragend recherchierten Roman neben der Spannung auch sehr interessant macht.
Aus dem Mittelalter sind natürlich auch Kochrezepte überliefert. Hier ein Kochbuch „Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält“ – Der Autor Jürgen Fahrenkamp hat Rezepte wiederentdeckt und ausprobiert. Da findet man z.B. das Urrezept der Zwiebelsuppe, Spanferkelkeule mit Semmeltorte, - die Kartoffel war damals noch unbekannt - oder »Blamensir«, eine legendäre Mandelmilchspeise – und vieles mehr.
Vieles aus unserer Geschichte ist auch dokumentiert. Hier ein "Kinosaal" in Prag um 1940.
Wenn man zurückblickt - durch die Jahrhunderte und durch die Epochen – es geht immer um Mord und Totschlag, Völlerei, Irrsinn – um religiösen Fanatismus, Krieg und Verfolgung – um sexuelle Demütigung, Flucht und um primitive Machtausübung.
Alles ist bis heute gleichgeblieben. Ob USA, Iran, Russland, Israel oder sonst wo - Die Menschen wählen noch immer - zum Teil freiwillig - wahnsinnige Kriegstreiber und Despoten, Religionsfanatiker und Großmäuler – bis alles in Scherben liegt. Schuld sind dann immer die anderen.
Erich Kästner hat es schon 1932 auf den Punkt gebracht. In dem Gedicht: Die Entwicklung der Menschheit.
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